Das Hashtag und die Politik

Twitter ist in der deutschen Politik ein wichtiges Informationsmedium. Hashtags helfen Tweets zu filtern und die Informationen für Journalisten, politische Akteure und Multiplikatoren zugänglich zu machen. Deswegen ist ein gutes Hashtag in der Politik eindeutig, nachvollziehbar und zielgruppenorientiert definiert.

Das Hashtag – die Kapitelüberschrift im Social Web

Twitter ist derzeit das schnellste Nachrichtenmedium und das gründlichste Archiv zugleich. Politische Ereignisse wie die Konstituierung des 18. Deutschen Bundestages konnten in Echtzeit unter #btkonst13 mitgelesen werden. Tweets zur NSA-Affäre sind unter dem Hashtag #nsa zu finden und die politischen Prozesse rund um den parlamentarischen Ausschuss Digitale Agenda lassen sich unter #btada verfolgen. Kein Tweet geht verloren, auch wenn er gelöscht wird.

Das Hashtag - die Kapitelüberschrift im Social Web.

Das Hashtag – die Kapitelüberschrift im Social Web.

Hashtags funktionieren im Social Web wie Kapitelüberschriften. Postings, die das gleiche Hashtag enthalten, werden dem selben digitalen Kapitel zugeordnet. Dabei machen die Rauten keinen Unterschied zwischen Veranstaltungen wie der Computermesse #cebit, Themen wie dem Berliner Flughafen #BER, spontanen Emotionen wie #orr oder Kommentaren wie #wasfehlt. Hashtags funktionieren nicht nur bei Twitter, sondern auch bei anderen sozialen Netzwerken wie Facebook, Google+, Instagram, Flickr oder Tumblr. Mit leichten Einschränkungen lassen sich die Rauten deswegen auch crossmedial einsetzen.

In der Politik sortieren Hashtags Ereignisse, Veranstaltungen, Themen und politische Prozesse. Sie sorgen dafür, dass die Informationen in den täglich abgesendeten Tweets von politischen Akteuren nicht untergehen. Hashtags machen die Statements von Politikern und Parteien transparent und für Journalisten, Politiker, Wissenschaftler und Think Tanks wiederauffindbar. Doch nicht jedes Hashtag setzt sich durch oder erreicht seine Zielgruppe.

Eigenschaften für ein gutes Hashtag in der Politik

Damit ein Hashtag als Kapitelüberschrift im Social Web funktioniert und eine möglichst hohe Reichweite erzielt, sind drei Eigenschaften wichtig: erstens, ein gutes Hashtag ist eindeutig. Es bezeichnet präzise, um was es geht. Die Verwechselung mit anderen Themen, Parteien, Veranstaltungen oder Ländern ist ausgeschlossen. Ein gutes Beispiel ist das Hashtag der CSUnet-Convention in München #csunetcon14. Dieses Hashtag macht klar, dass es um eine Veranstaltung der CSU geht, greift den Namen der Veranstaltung „net-Convention“ auf und sortiert die Tweets gleichzeitig in das Jahr 2014 ein.

Zweitens, ein gutes Hashtag ist nachvollziehbar. Die Abkürzung, die als erstes einfällt, ist oft die richtige Wahl. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Hashtag der vergangenen Bundestagswahl #btw13. Die Abkürzung „btw“ ergibt sich aus dem Wort „Bundestagswahl“ und ordnet die Tweets zeitlich dem Wahljahr 2013 zu. So können Journalisten, Wissenschaftler, Think Tanks und Parteizentralen bei ihren Recherchen für kommende Wahlkämpfe schnell die Statements von Politkern aus dem Bundestagswahlkampf 2013 wiederfinden.

Ein gutes Hashtag ist drittens von der Zielgruppe leicht zu finden. Hierbei hilft es sich zu fragen, wie die Zielgruppe denkt und wonach sie suchen würde. Journalisten denken oftmals viel pragmatischer als Parteien. Auf der Suche nach Tweets zu einem Parteitag würden sie ein Hashtag suchen, das den Parteinamen wie FDP oder SPD und das Kürzel „pt“ enthält. Jede Variante ist möglich. Allerdings verliert das Hashtag an Reichweite, je spezifischer es hergeleitet wird.

Die Würze liegt nicht in der Kürze

Tweets sind auf 140 Zeichen begrenzt. Deswegen ist es richtig und wichtig, dass ein Hashtag kurz ist. Verliert es mit der Kürze aber seine eindeutige Zuordnung, seine Nachvollziehbarkeit oder seinen Zugang zur Zielgruppe, benötigt es mehr Zeichen. Bei Hashtags gilt: Die Würze liegt nicht in der Kürze, sondern in seiner Eindeutigkeit. Die Eindeutigkeit erhöht nicht nur die Reichweite, sondern auch die Chance, dass ein Hashtag parteiübergreifend akzeptiert und verwendet wird.

Das Hashtag für alle Tweets zur 18. Legislaturperiode #wp18 hat sich mit vier Zeichen weniger fraktionsübergreifend durchsetzen können als das neun Zeichen lange Hashtag #btkonst13, unter dem alle Tweets zur Konstituierung des 18. Deutschen Bundestages zu finden sind. Das Hashtag zur net-Convention der CSU #csunetcon14 besteht sogar aus 11 Zeichen.

Konsequent bleiben

Hashtags sind eine tolle Möglichkeit, Politik zu machen und zu beobachten. Je eindeutiger ein Hashtag definiert ist, desto größer ist sein Mehrwert. Wichtig ist, dass ein Hashtag nicht mehr geändert wird. Auch wenn es nicht optimal gewählt wurde, ist die konsequente Verwendung unablässlich, damit alle Tweets in das gleiche digitale Kapitel abgelegt werden. Ist dies nicht der Fall, sinkt die Reichweite und das Monitoring wird sehr zeitaufwendig.

Für die Definition eines Hashtags im politischen Raum lohnt es sich, kurz über das Hashtag nachzudenken und es dann mit der Einladung zur Veranstaltung oder mit der Pressemitteilung klar zu kommunizieren.


Weiterführende Links:
“Die Kommunikationsstruktur von Twitter”
Twitter besteht aus Teilöffentlichkeiten: “Ruhe bewahren und weiter Twittern”
“Hashtags rund um den Bundestag”, das Blog von Frank Bergmann
Tools für das Monitoring und zur Optimierung von Hashtags, t3n

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