Die DNA der Parteien

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Die nächste Bundestagswahl kommt. Gewinnen wird jene Partei, die es mehr denn je schafft, die richtigen Wähler zum richtigen Zeitpunkt zu mobilisieren. Doch die Parteien bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück, denn der Schlüssel zum Erfolg schlummert nahezu ungenutzt in ihren Parteizentralen: die Daten ihrer Wähler.

Eine neue Benchmark der Mobilisierung

Die Menschen in Deutschland sind zufrieden. Selten ging es ihnen zu so gut wie heute. Bei einer fast absoluten Mehrheit und einer erfolgreich regierenden Kanzlerin wird die Union gute Argumente brauchen, warum sich ihre Wähler an einem Sonntag von ihrem Sofa zur Wahl aufraffen sollten. Die SPD kämpft immer noch mit der Sichtbarkeit ihrer Regierungserfolge und ihrem Anspruch, es Arbeitern und Intellektuellen gleichermaßen Recht zu machen. Die Grünen werden ein stabiler Juniorpartner für den Wahlsieger, die Linken verfestigen sich als Oppositionspartei und die FDP wird erst kurz vor dem Wahlkampf wieder aufwachen.

Der Kampf um die Wählerstimmen wird hart, denn nur wenige Wähler werden sich mobilisieren lassen. Der kommende Bundestagswahlkampf in Deutschland wird eine neue Benchmark für die Kunst der Mobilisierung setzen. Wer vor der Wahl seine Mitglieder und seine parteinahen Netzwerke genau kennt, ist dabei klar im Vorteil.

Das ungenutzte Potenzial

Parteien verfügen über mehr Daten als sie denken. Neumitglieder werden mit Namen, Kontaktdaten und politischen Interessen erfasst, Mandatsträger versenden Mailings an interessierte Bürger und kennen ihre Fans auf Facebook und ihre Follower auf Twitter. Für Veranstaltungen werden Teilnehmerlisten erstellt und die Kommunikationsabteilung kennt die relevanten Influencer und Multiplikatoren für die einzelnen Themen, die für sie Öffentlichkeit erzeugen können.

Nur ein Bruchteil dieser Daten wird systematisch erfasst. Kleiner noch ist der Anteil der Daten, die regelmäßig gepflegt und verschwindend gering ist die Menge der Daten, die miteinander verknüpft werden. Moderne Software zur Datennutzung, Business Intelligence Konzepte und gut aufgesetzte, eigene Datawarehouses sind für Parteizentralen Neuland. Sie verschenken damit ungenutztes Potenzial.

Die CDU und die SPD zählen jeweils fast eine halbe Million Mitglieder. Etwa 147.000 Menschen sind Mitglieder der CSU, etwa 62.000 bei den Linken, etwa 61.000 bei den Grünen und etwa 56.000 Menschen bei der FDP. Allein diese Datenmenge, die in den USA für einen Wahlkampf erst mühsam und mit hohen Kosten erhoben werden müsste, schlummert in Deutschland nahezu ungenutzt in den Parteizentralen. Welches Potenzial hätte eine kluge Nutzung dieser Daten für die Konzeption von Kampagnen und den Wahlkampf auf der Straße und an den Haustüren?

MitgliederParteienDeutschland
Das ungenutze Potenzial: die Mitglieder von Parteien in Deutschland.

Moderne Kampagnen nutzen Daten

Politik ist dafür da, Lösungen für die Themen der Menschen in Deutschland zu entwickeln und sie umzusetzen. Die Auswertung von Daten hilft, die richtigen Lösungen dafür zu finden. Dabei geht es nicht um die Daten selbst, sondern um ihren Mehrwert. Eine Partei lernt über ihre Mitglieder die Themen der Gesellschaft kennen und ihre Netzwerke verstehen. Dabei sind klassische Merkmale wie Alter, Geschlecht und der Wohnort, für moderne Kampagnen interessant aber nicht entscheidend.

Moderne Kampagnen nutzen Informationen, welchen persönlichen Interessen die Menschen nachgehen, in welcher Lebensphase sie sich befinden und mit wem sie über ihren Alltag sprechen. Moderne Kampagnen wissen, was die Mitglieder und die relevanten Netzwerke bewegt und wieviele Mailings wirklich geöffnet wurden. Sie nutzen die Informationen, wer zu welcher Veranstaltungen kommt, wer darüber spricht, schreibt und twittert und wer dadurch Multiplikatoren und die wahlentscheidende Altersgruppe der über 70-Jährigen direkt oder indirekt erreicht.

Die DNA der Parteien

Kampagnen der Zukunft werden schneller. Sie werden zu einem Zeitpunkt kommen, an dem wir nicht mit ihnen rechnen und sie werden auf allen Kanälen geführt werden. Diese Zeiten meistert nur jene Partei, die schnell auf die relevanten Netzwerke zugreifen, die richtigen Politiker positionieren und die richtigen Influencer zum richtigen Zeitpunkt aktivieren kann.

Die Daten einer Partei sind ihre DNA. Sie sind ihre stabile Grundstruktur, die durch aktuelle und äußere Einflüsse geformt werden und eine neue Gestalt annehmen kann. Sie geben einer Partei ihre Einzigartigkeit und sind ihre wertvollste Ressource. Die Art und Weise, wie Parteien ihre Daten nutzen, zeigt, wie gut eine Partei für die Zukunft aufgestellt ist. Denn die nächste Bundestagswahl kommt.


Quelle Foto: Rechenzentrum von Google in Douglas County, Georgia (USA).
Quelle Grafik „Mitglieder von Parteien in Deutschland“: „Volksparteien schrumpfen, die AfD wächst“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2014, eigene Darstellung.

 

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